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Inhaltsverzeichnis
Wie könnten nachhaltige Lebensstile aussehen?
Auf der Suche nach dem ethischen Konsum
Nachhaltigkeit, Lebensstile und Konsumentenverhalten
Von Lucia A. Reisch und Gerhard Scherhorn
Dr. Lucia Reisch ist Habilitandin am Lehr Stuhl für
Konsumtheorie und Verbraucherpolitik an der Universität Hohenheim und war Mitarbeiterin
im BMBF-Projekt "Wege zu nachhaltigen Konsummustern". Prof. Dr. Gerhard
Scherhorn ist Direktor der Arbeitsgruppe "Neue Wohlstandsmodelle" im
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und Inhaber des Lehrstuhls für
Konsumtheorie und Verbraucherpolitik an der Universität Hohen heim in Stuttgart.
Naturverträglichkeit, Sozialverträglichkeit und
ökonomische Verträglichkeit sind die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung. Sollen sie
ernsthaft verfolgt wer den, bleibt das nicht ohne Konsequenzen für unser Konsumverhalten,
gerade auch für unseren persönlichen Lebensstil. Denn 30 bis 40 Prozent der
Umweltprobleme sind auf unsere Konsummuster zurückzuführen. Die Verlagerung auf
Ressourcen schonendere Produkte allein genügt nicht, vielmehr müssen wir bei der Reflexion unserer Bedürfnisse ansetzen. Auch bei verstärkter Umwelt- und Konsumerziehung
klafft jedoch vielfach eine Lücke zwischen unserem Wissen und unserem Verhalten, die es
zu schließen gilt. Was uns nicht viel kostet - nicht nur materiell -, wird leicht getan,
wie etwa die Mülltrennung. Vielfach bleibt es dann bei einer solchen
Gewissensberuhigung, die dann sogar für weitere Schritte hinderlich sein kann. Wovon ist
eine Änderung unseres Konsumstils abhängig, welche Zusammenhänge bestehen
möglicherweise zwischen Persönlichkeitsmustern, Erziehungsstilen und der Bereitschaft
zur Verhaltensänderung?
Red.
Nachhaltigkeit als ethisches Konzept
Schon lange bevor das Thema Nachhaltigkeit zum
politischen Programm wurde, beschäftigten sich gesellschaftskritische Gruppen mit der
Frage, wie sich der Lebensstil der reichen Konsumgesellschaf ten ändern und wie ein
sozial und ökologisch verantwortungsvolles Konsumverhalten aussehen müßte.1 Bereits
in den siebziger Jahren hat es in Deutschland unter dem Motto Eine Welt - vor allem
kirchliche - Aktionen gegeben, die sich mit Fragen nach dem Lebens- und Konsumstil des
reichen Nordens, nach sozialer Gerechtigkeit und qualitativem Wachstum
beschäftigten.2
Der Ökumenische Rat der Kirchen setzte auf die Vision Lebensqualität durch
freiwillige Selbstbeschränkung, die holländischen Kirchen gründe ten 1974 eine
Aktion Neuer Lebensstil.3 Vor dem Hintergrund der zeitgleich breit diskutierten Studie von
den Grenzen des Wachstums4 wurden auch erstmals die Gründe für die Zerstörung der
natürlichen Mitwelt weit über akademische Kreise hinaus zum politischen Thema.
In den achtziger Jahren wurden diese bei den
Diskussionsstränge - soziale Gerechtigkeit und ökologische Krise - zu den Schlagworten
"ethischer" oder auch "qualitativer" Konsum verdichtet. Insbesondere
Verbraucherorganisationen haben darauf hingewiesen, daß verantwortungsbewußte
Konsumentscheidungen neben der funktionalen Produktqualität im Sinne von
Gebrauchstauglichkeit auch die ökologischen und sozialen Folge kosten des Konsums
berücksichtigen müßten.5 In den neunziger Jahren wurde dann mit dem Leitbild der Nachhaltigkeit
ein umfassendes ethisches Konzept gefunden, das unmittelbar politische Wirkung
entfalten und zugleich als analytisches Konzept der Konsumforschung zugrunde gelegt werden
kann.6
Der Begriff Nachhaltiger Konsum geht auf das im
Brundtland-Bericht von 1987 vor gestellte und fünf Jahre später auf der Rio-Konferenz
(UNCED) konkretisierte Leitbild des Sustainable Development, der Nachhaltigen
Entwicklung zurück. Das ebenfalls in Rio 1992 verabschiedete Aktionsprogramm Agenda
21 skizziert in Kapitel vier eine Reihe von Programmen und Maßnahmen, die zu
"Veränderungen der Konsumgewohnheiten"7 führen sollen. Diese politischen
Forderungen beruhen auf der - zuletzt vom Berliner Mandat 1995 und der Klimakonferenz in
Kioto 1997 - herausgestellten besonderen Verantwortung der Industrieländer, die durch
ihren verschwenderischen Umwelt- und Ressourcenverbrauch ein historisch einmaliges, aber
auch langfristig unhaltbares Wohlstandsniveau erreicht haben.8 Einigkeit besteht
darüber, daß die gegenwärtig diskutierten Zielgrößen von 80 bis 90 für die Materialeinsparung,
70 bis 80 für die Emissionsreduktion von CO2, NOX und VOC und 50 % Energieeinsparung
bis zum Jahre 2050 ohne eine tiefgreifende Änderung der Konsummuster nicht zu er
reichen sind.9 Kritische Stimmen halten daher schon den Begriff "Nachhaltiger
Konsum" für einen Widerspruch in sich, da Konsum immer auch Verbrauch und damit
Ressourcenverzehr bedeute. Wirklich nachhaltig im Sinne von langfristig tragbar sei
ausschließlich der Konsumverzicht derer, die sich bereits auf einem
"angenehmen" Konsumniveau befänden. Daß sich die internationale Weltöffentlichkeit - historisch nahezu einmalig - in der Agenda 21 auf die mit diesem Leitbild
verbundenen Ziele geeinigt hat, ist in jedem Falle bemerkenswert, auch wenn ein Grund für
den Konsens in der breiten Auslegbarkeit des Konzepts zu suchen ist und die enttäuschen
Nichtregierungsorganisationen fünf Jahre nach Rio über die New Yorker Folgekonferenz im
Juni 1997 urteilten, die Chance für die global community sei vertan worden.10
Nachhaltige Lebensstile sind vonnöten
Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, wie
nachhaltige Lebensstile aus sehen und wie sie gefördert werden können. Mit Lebensstilen
werden relativ beständige Verhaltens- und Selbstdarstellungsmuster bezeichnet, nach
denen Menschen ihren Alltag in den verschiedenen Bedürfnisfeldern - Arbeit
(Erwerbs und Versorgungsarbeit), Familie, Freizeit, Mobilität, Wohnen, Konsum - organisieren.11 Das Lebensstilkonzept umfaßt dabei sowohl objektive Lebensbedingungen als
auch subjektive individuelle Lebensentwürfe und angestrebte Ziele:
Soziodemographische Faktoren, Lebensform, Lebens tage, soziale Beziehungen, Orientierungen an Leitbildern und das tatsächliche Verhalten gelten als die zentralen Dimensionen.12 Sozialwissenschaftlich betrachtet, stellt das Konzept der Lebensstile die
Reaktion auf eine Gesellschaft dar, in welcher traditionelle sozialstrukturelle Ansätze
- in erster Linie das "Drei-Schichten Modell" - an Erklärungswert eingebüßt
haben. Zu beobachten ist nun ein Pluralismus der Lebensformen und
Konsumstile13, der sich innerhalb der Gesellschaft als eine "begrenzte Zahl
sichtbarer Verhaltensarrangements"14 - den Lebensstiltypen und auf individueller
Ebene als ambivalente "Patchwork-Lebensstile"15 offenbart.
Trotz der frühen Thematisierung der sozialen
Dimension ist die Diskussion über Chancen und Grenzen einer Ökologisierung von
Lebensstilen - dem eingeforderten Gewohnheitswandel der Individuen und Haushalte
bezüglich ihrer Konsumpraktiken mit umwelt- und ressourcen schonenden Effekten - am
weitesten gediehen.16 Tatsächlich kann die Umweltrelevanz des Konsums kaum
überschätzt werden. Nach der Studie Nachhaltiges Deutschland des Berliner
Umweltbundesamtes sind 30 % bis 40 % aller Umweltprobleme direkt oder indirekt auf die
herrschenden Konsummuster zurückzuführen.17
Aufgrund von Potentialrechnungen und Berechnungen
von "ökologischen Rucksäcken"18 lassen sich in den verschiedenen
Bedürfnisfeldern solche Konsumpraktiken identifizieren, die als "nicht
nachhaltig" bezeichnet werden müssen. Dazu gehören das Verkehrsverhalten, das
Reisen insbesondere Flugreisen - sowie das Verschwenden fossiler Energien, vor
allem durch das Heizen. Ebenso problematisch ist die Nachfrage nach
energieintensiven bzw. von - im Vergleich zu ihren "wahren" ökologischen und
sozialen Kosten zu billigen Nahrungsmitteln, ein hoher Fleischkonsum und ein
äußerst materialintensiver Konsum, besonders in der Textilmode. Auch der
Anspruch auf Fläche, der sich im Wunsch nach dem "Häuschen im Grünen"
niederschlägt,19 hat weitreichende Folgen.
Deutlich rarer sind dagegen Fälle nachhaltiger
Lebensstile. Die Sozialwissenschaften untersuchen daher neuerdings sogenannte
"Pionierprojekte", in denen beispielhaft neue Lebens-, Konsum- und Arbeitsmodelte
entwickelt und gelebt werden.20 Zu denken ist hier an
Mobilitätszentralen, Umweltwerkstätten, Verbrauchergemeinschaften, Ökodörfer,
Nachbarschaftshilfen, Nord-Süd-Initiativen und viele mehr. Jede dieser Aktionen,
Initiativen und Kampagnen zeigt auf ihre Art, daß und wie immaterielles Wohlergehen an
die Stelle materieller Befriedigung treten kann und dazu erhebliche Einspareffekte bei der
Belastung der einzelnen Umweltmedien erzielt werden können. Ihr Erfolg beruht meist auf
dem Engagement einzelner Akteure, die eine kritische Masse überzeugen und mobilisieren
können. Die Mitarbeit in solchen Projekten erzeugt eine kollektive Aufbruchstimmung und
kann zu veränderten Werten und Einstellungen führen, die für eine auf Nachhaltigkeit
gerichtete "Zivilgesellschaft"21 bedeutsam sind. Kleinräumige (regionale, lokale)
Strukturen und Kooperationsbereitschaft sind dabei wichtige Faktoren.
Naturverträglichkeit, Sozialverträglichkeit,
ökonomische Verträglichkeit
Nachhaltiges Konsumverhalten muß drei
Dimensionen berücksichtigen: die Naturverträglichkeit, die Sozialverträglichkeit
und die Verträglichkeit mit dem ökonomischen System. Denn "langfristig
tragbar" bedeutet, daß die Funktionsfähigkeit der dem Leben und Wirtschaften
zugrunde liegenden Systeme - die Ökosysteme, die gesellschaftlichen und die Wirtschaftssysteme - durch Bewahrung oder Erneuerung erhalten bleibt, ihre "Zukunftsbeständigkeit" gesichert wird.
Politischer Konsens bezüglich der Kriterien für
eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise wurde allerdings bislang nur für die ökologische
Dimension des Nachhaltigkeitsgebots, d.h. den Umgang mit Energie, Soff- und
Materialströmen, erreicht. So lautet die Forderung der Enquete-Kommission Schutz des
Menschen und der Umwelt des Deutschen Bundestages:22
Eindeutige Handlungsanweisungen sind leider nicht
immer verfügbar
Handelt es sich, wie oben angenommen, um drei
unabhängige Dimensionen, dann müßten diese drei zugleich optimiert werden.
Sicherlich gibt es eine Reihe von Konsumhandlungen, die allen drei Zielen der
Nachhaltigkeit - d.h. Naturvertäglichkeit, Sozialverträglichkeit und ökonomische Effizienz - gleichermaßen gerecht werden können. Solche im Sinne einer Win-Win Win-Situation
attraktiven Handlungsstrategien - z.B. eine Bedürfnisbefriedigung, die umweltschonender,
gesünder und billiger ist - werden sich von allein durchsetzen, wenn die
Transaktionskosten (z.B. der Organisationsaufwand beim Car-Sharing) nicht allzu
hoch sind.
Bei vielen Konsumhandlungen scheinen jedoch anstelle
erwünschter Motivallianzen Zielkonflikte vorzuliegen, bei welchen man die Frage
einer möglichen Kompensation untereinander stellen muß. Soll man beispielsweise die in
der Region konventionell angebaute Birne oder aber die teurere, von einer
Kleinbauernkooperative produzierte Bio-Papaya aus "fairem" Handel kaufen? Soll
man Altkleider wegwerfen oder an Sekundärmärkte nichtindustrialisierter Länder
weitergeben, die zum Ruin des fokalen Schneiderhandwerks und Verlust handwerklicher Traditionen beitragen? Soll man sich für ein Waschmittel mit gentechnisch manipulier ten
Enzymen, die eine niedrigere Waschtemperatur erlauben, entscheiden oder für ein
Baukastensystem und damit für höhere Temperaturen und eine auf wendigere Handhabung?
Solche ungeklärten Fragen müssen in einem permanenten Diskurs thematisiert werden und
in präzise Handlungsanweisungen ein münden, sollen die Konsumenten und Konsumentinnen
nicht völlig verwirrt und ihre Handlungsbereitschaft untergraben werden.
Denn selbst bei Entscheidungen innerhalb einer
Zieldimension sind eindeutige Handlungsanweisungen nicht immer verfügbar. Trotz einiger
hilfreicher ökologischer Produkttests und Produktkennzeichnungen - Stichwort labeling
- können selbst Interessierte aufgrund mangelnder Indikatoren oder gar
widersprüchlicher Vergleichsrechnungen keineswegs immer sicher sein, eine ökooptimale
Kauf- oder Nutzungsentscheidung getroffen zu ha ben. Zu groß ist die Unsicherheit der Expertinnen und Experten - man denke an die immer noch ungeklärte Frage, ob Papierrecycling ökologisch sinnvoll ist26 - und zu kompliziert sind die Kriterien, die im
einzelnen zu berücksichtigen sind. Verschärft wird die Situation durch opportunistisches Marktverhalten solcher Anbieter, die eine besondere ökologische Qualität
ihrer Produkte vortäuschen - die also "Bio" draufschreiben, ohne daß
"Bio" drin ist. Und selbst grundsätzlich nützliche Entscheidungshilfen wie
"regional, kleinräumig, saisonal, dezentral" etc. sind nicht immer anwendbar:
So ist es beispielsweise ökologisch sinnvoller, in der Bundesrepublik - trotz, des
Transportweges - oberflächennah abgebaute australische Kohle zu verfeuern als die
tiefgeschürfte deutsche Bergbaukohle.
Der Konsum sollte mit der Reflexion der
Bedürfnisse beginnen
Diese Beispiele sollen zeigen, daß eine nachhaltige
Konsumhandlung sich nicht auf die Kauf- bzw. Nutzungsentscheidung beschränken kann,
sondern den gesamten Umgang mit den Bedarfen und ihrer Deckung in Form von Markt- und
Nichtmarktgütern betrachten muß.27 Die reine Wahl zwischen Produkt bzw. Dienstleistung A oder B greift in der Regel zu kurz, selbst wenn sie umwelt- und sozialverträgliche Kriterien berücksichtigt. Viel mehr sind alle Stufen des Konsumprozesses
relevant. Denn Konsumziel ist nicht ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte
Dienstleistung, sondern die Befriedigung von Bedürfnissen, d. h. die Herstellung eines
bestimmten Zustandes wie Wärme, Sauberkeit oder Sicherheit. Deshalb beginnt der
Konsumprozeß mit der Reflexion dieser Bedürfnisse, die befriedigt werden sollen. Auf
Grundlage der Bedürfnisreflexion und anschließender Bedarfsfeststellung werden
Kriterien für die Be schaffungs- bzw. Nutzungsentscheidung (z.B. Kaufen, Mieten, Teilen,
Tauschen, Selbstmachen) ausgewählt und gewichtet. Dies macht eine Informationssuche und
-auswertung nötig, die entweder zum Aufschub bzw. Verzicht oder aber zur Beschaffung bzw.
Eigenproduktion führt. Bei der Eigenarbeit und der Produktion von Gemeinschaftsgütern
folgt dann der Herstellungsprozeß, dann erst der eigentliche Konsum, also der Verbrauch
oder die Nutzung und Instandhaltung bzw. Verwahrung des Gutes. Selbst das Ende des
Konsumprozesses, die Entsorgung oder das Tauschen, Verschenken oder Wieder verkaufen, ist
nachhaltigkeitsrelevant. Eine solche Bedürfnisreflexion wird nicht ohne eine kritische
Prüfung des eigenen Arbeits-, Lebens- und Konsumstils und damit verbundenen Gewohnheiten,
Leitbildern und Konsumstandards auskommen. So könnte man bei obigem Waschmittelbeispiel die Frage steilen, ob derselbe Umweltentlastungseffekt nicht auch durch
eine geringere Waschhäufigkeit er reicht werden könnte statt durch den ethisch
fraglichen Einsatz von Gentechnologie bei Reinigungsmitteln. Dies würde veränderte
Waschgewohnheiten, sicher lich auch ein anderes Reinheitsideal vor aussetzen. Wiederholt
wurde gezeigt, daß dieses ldeal in der Nachkriegszeit, nicht zuletzt aufgrund
entsprechender Werbebotschaften ("So weiß, weißer geht's nicht") an die
Zielgruppe der Reproduktionsarbeit leistenden (Haus-)Frau en, enorm gestiegen ist und
jeglicher hygienischer oder ästhetischer Begründung entbehrt. Fiele die Möglichkeit
der - kostenlosen - Abwälzung der Arbeit des Wäschewaschens und -versorgens auf den
privaten Haushalt weg, beispielsweise aufgrund der Vollerwerbstätigkeit der Frau, dann
wäre es denkbar, daß die Waschhäufigkeit entweder zurückginge oder die Dienstleistung
Wäschewaschen im formellen Sektor, der in diesem Fall ökoeffizienter arbeiten kann,
eingekauft würde.28
Ein wichtiger Schritt im Konsumprozeß ist auch,
herauszufinden, welche "strategischen Konsumentscheidungen"
29 - das sind
langfristig bindende Entscheidungen, die viele kleinere "operative" nach sich
ziehen - den eigenen Verhaltensspielraum definieren. Beispielsweise hat das Wohnleitbild
vom "Häuschen im Grünen" unmittelbaren Einfluß auf die Qualität bzw. den
Verbrauch von Naturmedien und damit auf die Lebensbedingungen heutiger und zukünftigen
Generationen: Neben dem Energie- und Stoffverbrauch für den Hausbau leiden Böden und Wasser durch die Bodenversiegelung, Luft und Klima verschlechtern sich durch die Treibhausgas-Emissionen des Pendelverkehrs, Landschaft und Lebensräume werden zersiedelt, die
biologische Vielfalt gemindert.30
Die Strategien Effizienz, Suffizienz und
Innovation
Oberstes Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit ist
die Erhöhung der Ressourcenproduktivität. Hier bieten sich insbesondere zwei
Strategien an: die Effizienz und die Suffizienz.31
Ziel der Effizienz-Strategie ist die Verringerung
der Stoff- und Energieströme und des Umweltverbrauchs über den Produktkreislauf des
einzelnen Gutes hinweg. Der gleiche Nutzen soll mit weniger Stoff- und Energieeinsatz - um
den "Faktor vier" bzw. den "Faktor zehn" verbessert - er reicht
werden.32 Solche "ökointelligenten"
33 Gebrauchsgüter sollen materialoptimiert, langlebig, reparaturgerecht und aufarbeitbar sein; bei Verbrauchsgütern wie
Lebensmitteln sollen regionale und saisonale Produkte aus biologisch-organischem Anbau
bevorzugt werden, die keiner energie- und stoffintensiven Raum Zeit-Überwindung
bedürfen und die Bodenqualität wahren.
Da jedoch die Gefahr besteht, daß Effizienzgewinne
durch Wachstumseffekte (über-)kompensiert werden, muß die Effizienzstrategie durch die
Strategie der Suffizienz ergänzt werden. Diese steckt sich insofern radikalere
Ziele, als sie den absoluten Güterverbrauch senken will, was ohne eine mehr oder weniger
tiefgreifende Änderung des Lebensstils nicht möglich sein wird. Die Handlungsoptionen reichen hier von Kaufvermeidung ("Dienstleistung statt Produkt"), die durch
zeitlich längere und die gemeinschaftliche Nutzung von Gütern wie beim Teilen, Tauschen und Leihen ("Nutzen statt Besitzen") oder über Sekundärmarktversorgung
erreicht werden kann, bis hin zu Konsumverzicht und Subsistenz (simple living).
Weil sie in den Bereich der Lebensstile vor dringt, stellt die
Suffizienz-Strategie für Konsumenten und Konsumentinnen eine große Herausforderung dar;
deshalb hat sie auch die kreativsten Lösungsansätze hervorgebracht. Im Unterschied zur
Effizienz-Strategie genügt es hier eben nicht, zur Befriedigung von Bedürfnissen beispielsweise auf ein umweltfreundlicheres Produkt umzusteigen; vielmehr muß das Bedürfnis
"am Markt vorbei" im informellen Sektor, beispielsweise durch Eigenarbeit,
befriedigt werden.34 Die Konsumenten und Konsumentinnen verlassen damit ihre Rolle als
distanzierte Marktpartner, agieren und produzieren vielmehr in sozialen und
wirtschaftlichen Netzen. Des ha4b wird hier auch die soziale Komponente der
Nachhaltigkeit relevant. Entstanden sind so innovative Tauschplätze und Nutzungsformen
wie Tauschringe, Tauschbörsen, Internet-Bulletins, Barter Systeme oder
Car-Sharing-Organisationen. Eine wichtige Rolle spielt auch die Gemeinschaftsproduktion
in Form kollektiver Aktionen, Bürgerinitiativen, Energiegemeinschaften,
Selbsthilfeaktivitäten und informeller Netzwerke, Konsumgenossenschaften und
Wohnkooperativen. Niederschlag haben diese sozialen Innovationen35 in neuen
Institutionen, wie dem Münchner Haus der Eigenarbeit und in neuen
grass-roots-Politikformen wie den Lokale Agenda z1-Prozessen gefunden. Diese
zeichnen sich durch erweiterte Mit wirkungs- und Beteiligungsrechte, stärkere
Einbeziehung von sonst eher unpolitischen Gruppen wie Frauen und Jugendlichen sowie
betont diskursive Verfahren der Konfliktschlichtung, wie Energietische und
Mediationsverfahren, aus.36
Positive soziale Effekte ökologisch motivierter
Aktionen
Aus empirischen Untersuchungen selbst organisierter
Konsumentenaktionen ist bekannt, daß ökologisch motivierte Aktionen häufig positive
soziale Effekte für eine Gemeinschaft haben. Ein bekanntes Beispiel ist die
Schwarzwaldgemeinde Schönau, die nach jahrelanger Auseinandersetzung mit einem großen
Energieversorgungsunternehmen sich ihr eigenes nahezu atomstromfreies - Stromnetz er
trotzt hat. Die Aktion Ich bin ein Störfall gilt als Musterbeispiel für eine
gelungene kollektive Aktion zur Produktion eines Gemeinschaftsgutes - in diesem Fall die
umweltgerechte Stromerzeugung. Viele vormals apolitische Bürger und Bürgerinnen
berichten von veränderten Einstellungen zu Eigenverantwortlichkeit und politischer
Handlungskompetenz und einem neuen Macht- und Verantwortungsbewußtsein, das sie im Laufe
der Aktion entwickelt hätten. Dies habe letztlich zu bewußteren Lebensstilen geführt,
in denen Eigenverantwortung und Eigenproduktion eine neue Bedeutung erlangt hätten.
Ein anderes Beispiel sind Häuser der Eigenarbeit (HEi).37 Eigenarbeit wird in er ster Linie als ein "Angebot zur
Verminderung von Konsum" durch eigene Herstellung gesehen. Zwar kann im Einzelfall
die Ökobilanz für die Herstellung, beispielsweise eines selbstgezimmerten Möbelstückes, im Vergleich zum Kauf negativ ausfallen; durch den Suffizienzeffekt sind jedoch
längerfristig ökologische Entlastungseffekte zu erwarten. Ein "Weniger ist
mehr" ist deshalb zu vermuten, weil Eigenarbeit die Beziehung zu und den Um gang mit
Gegenständen, das Qualitätsbewußtsein und das Konsumverhalten verändert. So wird
beispielsweise ein Möbelstück kaum für kurze Modewellen selbst gezimmert, sondern wird
länger genutzt, vielleicht sogar vererbt werden. Es kann "Patina" ansetzen, ist
einmalig und da durch wertvoller.
Hinzu kommt, daß Eigenarbeit den Grundbedürfnissen
der Menschen nach Kompetenz und Mitsein entgegen kommt, daß intrinsische Motivation er
fahren und die Freude am Werksergebnis erlebt werden kann. Die HEi sind gleichzeitig ein
wichtiges infrastrukturelles öffentliches Angebot zur Stärkung der gemeinsamen und
nichtformellen Arbeit. 38
Nachhaltige Konsummuster, das hat die bisherige
Darstellung gezeigt, setzen eine soziale, humanitäre und ökologische Verantwortungsübernahme der Konsumenten und Konsumentinnen vor aus und schließen auch Einschränkungen und Verzicht mit ein. Gerade die Suffizienz-Diskussion zeigt jedoch,
daß nicht griesgrämige Rückzugsmentalität, sondern Kreativität und Innovationsfreude gefragt sind. Die vielfältigen sozialen Innovationen innerhalb des in formellen
Sektors zeigen die Möglichkeiten auf, die über die reine Bedürfnisbefriedigungen
hinaus mit verändertem Konsumverhalten einhergehen können.
Barrieren für nachhaltiges Konsumverhalten
Das Umweltbewußtsein der deutschen Bevölkerung ist, zumindest als Krisenbewußtsein, bekanntermaßen
hoch.39 Damit ist ein
entscheidender Bestimmungsfaktor erfüllt, der in Verbindung mit einem - die Konsumenten
möglichst entlastenden Informationsangebot (z. B. Umweltzeichen), einer
förderlichen Infrastruktur (z. B. Produktangebot) und finanziellen Anreizen die
Bereitschaft zu umweltfreundlichem Verhalten erhöht. Tatsächlich zeigen die
meisten Bundesbürger irgendeine Form von umweltfreundlichem Verhalten, und sei es auch
nur, daß sie den Abfall trennen. In solchen wenig aufwendigen Low-Cost-Bereichen ist
auch die häufig zitierte "Verhaltenslücke" - das Auseinanderfallen zwischen
Umweltbewußtsein und Verhalten - gering.40 Da durch erliegen viele der
Illusion, sie würden schon etwas für die Umwelt tun, beruhigen ihr Gewissen und
entschärfen den subjektiv empfundenen Handlungsdruck, "man müsse doch etwas
tun". Gesellschaftliches Ergebnis ist eine Konzentration auf Low-Cost-Bereiche wie
der Mülltrennung oder den Kauf umweltfreundlicher Produkte, die jedoch nicht mit den
Bereichen der größten Umweltrelevanz wie Flugreisen oder Kfz-Nutzung - über einstimmen.
Im Verkehrsverhalten galt die Low-Cost These bislang
als recht gut empirisch be legt.41 Neuere Untersuchungen sprechen jedoch
dafür, gerade bei der Mobilität die These von der Kluft zwischen Handlungsorientierung
(d. h. Motiven, Wünschen und sozialen Normansprüchen) und Verhalten vor dem Hintergrund
einer nach Lebensstilen segmentierten Gesellschaft zu überdenken. Wer mit Autofahren die
Umwelt schädigt, handelt vielfach eben nicht gegen sein Umweltbewußtsein, sondern will
Auto fahren und nimmt die Schädigung in Kauf. In einer breitangeleg ten empirischen
Untersuchung in zwei deutschen Städten konnte gezeigt wer den, daß der Lebens- bzw.
Mobilitätsstil der Gruppe der "ökologisch Entschiedenen" bzw. der
"risikoorientierten Autofans" und deren tatsächliche Wahl der
Verkehrsmittel jeweils eng miteinander zusammenhängen.42
Die sozialwissenschaftliche Forschung hat eine Reihe
von Hemmnissen für ein an Nachhaltigkeitskriterien orientiertes Verhalten identifiziert,
die in der Person zu suchen sind.43 So können konkrete negative Erfahrungen oder aber
auch nur Vermutungen darüber, daß umwelt- oder sozialorientierte Konsumstile
grundsätzlich höhere monetäre Kosten und einen erhöhten Aufwand an Zeit und Anstrengung mit sich bringen, zur Verhaltensbarriere werden. Die psychologische Forschung hat darauf hingewiesen, daß Wahrnehmungsbarrieren zu einer Unterschätzung der
Veränderungen der Umwelt (sog. "Illusion, mich trifft es nicht") sowie der
eigenen Einflußmöglichkeiten führen (sog. "Illusion der Marginalität").
Psychische Abwehrmechanismen können zu Gefühlsbarrieren werden, wenn diffuse
Umweltängste verdrängt oder aber so übermächtig werden, daß sie zu Ohnmachtsgefühlen führen. Schließlich wer den gesellschaftliche Barrieren genannt,
die in Form von Normen, Werten und Statuskonventionen bestimmten mitweltorientierten
Verhaltensweisen entgegenstehen. Dies ist plausibel, denn, obwohl die Umwelt- und
Armutsproblematik längst aus ihrer politischen Nische entwachsen sind, erfordern
entsprechende Verhaltens weisen, wie beispielweise der Verzicht auf statuskonforme
Mobilität oder Kleidung, ein hohes Maß an Wertdistanz.44
Wie stark diese Barrieren tatsächlich wirksam
sind, ist wiederum von den oben beschriebenen Lebensstildimensionen ab hängig: von soziodemographischen
Faktoren wie Geschlecht, Alter und Wohnort, von der Lebensform (Haushaltsstruktur,
Familienform, Elternschaft) und der Lebenslage (Bildung, Beruf, Einkommen,
Güterbesitz), von der persönlichen Disposition (Sozialisationserfahrungen, kritische Lebensereignisse, Mentalität, Gesundheitszustand, Religiosität) und von formellen
und informellen Mitgliedschaf ten in Gruppen und sozialen Netzen. Gerade diese
Gruppenprozesse spielen eine wichtige Rolle bei der Herausbildung an gestrebter
Wohlstands- und Lebensmodelle, bei der Entwicklung von Vorstellungen von einem
"guten Leben" sowie von Ansichten über Gerechtigkeit.45 All diese Faktoren
prägen die Wahrnehmung und das Bewußtsein im allgemeinen und die Präferenzen,
Einstellungen, Werte und Leitbilder zu den einzelnen Lebensbereichert im besonderen.
Die Bedeutung einer kritischen Konsumerziehung
Nicht zuletzt hängt das Verhalten davon ab, ob und
inwieweit in der Primär- und Sekundärsozialisation der Konsumenten und Konsumentinnen
eine kritische Konsumerziehung stattfindet bzw. in ihren formativen Jahren stattgefunden
hat.46 Dabei umfaßt eine "gefangene" Konsumentensozialisation im Idealfall
weit mehr als die bloße Vermittlung von Umweltwissen und Bewußtsein: Die wahren
Wohlstandskosten müßten benannt und attraktive Handlungsalternativen aufgezeigt werden;
Bedarfsreflexion und Bedürfnisorientierung sollten eingeübt, der Blick für den
Unterschied zwischen echter Konsumfreiheit und Pseudofreiheit der Waren- und Werbewelt
geschärft und glaubhafte Alternativen zu Gütergebundenheit und positionalem Streben
aufgezeigt werden. Die Konsumkompetenz müßte gefördert werden, indem gegen
Werbebotschaften und Gruppendruck immunisiert wird und kompensatorische bzw. symbolische
Surrogatkäufe auf ein tragbares Niveau minimiert werden. Vor dem Hintergrund der für die
Jugendlichen zentralen Sozialisationsinstanz - den kommerziellen Medien mit ihrer
gegenläufigen Zielsetzung bezüglich eines er wünschten Konsumverhaltens - sind dies
sicherlich hohe Ansprüche, die an die Sozialisationsagenten Elternhaus und Schule
gestellt werden. Gerade hier findet jedoch die wichtige Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und gruppenspezifischen Werten und Normen statt, welche das Individuum
internalisiert oder aber durch eigene Wertvorstellungen ersetzt.
Neben diesen personenbezogenen Faktoren sind es objektive und
situative Barrieren in Gestalt gesellschaftlicher Institutionen und einer Infrastruktur,
die den Willen und die Fähigkeit zur einstellungskonformen Handlung hemmen können.
Hierzu gehören fehlende eindeutige Handlungsempfehlungen, mangelnde Verfügbarkeit von
Produktalternativen und Entsorgungsmöglichkeiten, prohibitiv hohe Preise, aber auch
Wohngebiet, Mobilitätsmöglichkeiten und finanzielle Ausstattung des Haushalts.
Beispielsweise hat eine einkommensschwache Mutter mit kleinen Kindern, die in einem
Wohngebiet mit monopolistischer Einzelhandelsstruktur und schlechter Verkehrsanbindung
wohnt, kaum Möglichkeiten, biologisch-organische Lebensmittel oder Produkte aus
"fairem Handel" zu kaufen, wenn diese im einzigen erreichbaren Supermarkt nicht
angeboten werden. Die Diskussion um die schleichende "funktionale Entmischung"
der Städte bzw. ihrer Nutzungsbereiche Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Freizeit usw. wurde
nicht zuletzt aufgrund der sozio-ökologischen Problemlage in den letzten Jahren unter dem
Schlagwort der "Stadt der kurzen Wege" neu belebt.47
Wie die Kluft zwischen Wissen und Verhalten überbrücken?
Eine bestehende Handlungsbereitschaft muß durch
unterstützende Ausgestaltung der institutionellen und infrastrukturellen
Rahmenbedingungen gefördert und darf nicht durch Ungerechtigkeiten, einladen de
Free-Rider-Situationen oder durch prohibitiv hohe monetäre oder immaterielle Kosten
untergraben werden. Allein die notwendigen ordnungspolitischen Maß nahmen und die ökonomische
Steuerung, die beispielsweise zu einem als gerecht empfundenen Steuer- und Subventionssystem - Stichwort Flugbenzin, Kilometer pauschale - führen könnten, bleiben aus. Dabei
sind gerade in den besonders um weltrelevanten Bereichen wie dem Verkehr die Grenzen der
Verhaltenswirkung von Information und Beratung überdeutlich geworden. Experten erhoffen
hier Verhaltensänderungen nur noch von deutlichen infrastrukturellen Verbesserungen beim
ÖPNV und der Bahn bzw. von drastischen finanz- und ordnungspolitischen Signalen, wie der
Erhöhung der Mineralölsteuer, dem Ende der steuerlichen Bevorzugung des Autos, der
bewußten Parkraumverknappung u.a.m.
All diese Einflußgrößen können jedoch nicht ganz
erklären, weshalb unter gleichen situativen Bedingungen bei manchen Personen
Umweltbewußtsein zu Verhaltensänderungen führt und bei manchen nicht. Eine große Zahl
empirischer Untersuchungen hat verschiede ne psychologische Konstrukte als Dritt
variablen identifiziert, die zwischen Einstellung und Verhalten treten
können.48 Dazu gehören der Einfluß von Selbstverpflichtung, von internalen
Kontrollüberzeugungen, von wahrgenommener Selbstwirksamkeit bzw.
Eigenverantwortlichkeit, von der Verfügbarkeit umweltbewußter Einstellungen, von
Kreatitivät und produktivem Denken, vom Selbstwertgefühl, von Kontrollorientierung usw.49
Eine neuere Forschungsrichtung, die sich unter Bezug
auf Kohlbergs Stufenmodell der Moralentwicklung mit dem Einfluß der moralischen
Urteilskompetenz auf das Umweltverhalten auseinandersetzt, leistet einen
wichtigen Erklärungsbeitrag. Sowohl erste empirische Studien50 als auch eine kürzlich
geleistete theoretische Auf arbeitung51 zeigen, daß sich das erreichte Niveau an
moralischer Urteilskompetenz eines Menschen, das sich von der präkonventionellen über
die konventionelle zur postkonventionellen Stufe entwickelt, auf die Stabilität seiner
Einstellungen nieder schlägt. Je nach erreichtem Niveau sind die gewonnen
Einstellungen - und damit die Handlungsabsicht - mehr oder minder resistent gegen
"Versuchungen", die in der Person selbst oder aber in situativen Bedingungen
liegen. "Mit jeder höheren Stufe handeln Individuen zunehmend konsistent, d. h. auch
so, wie sie meinen, handeln zu sollen; mit jeder höheren Stufe steigen Fähigkeit und
Motivation, dem mit den jeweiligen Einstellungen konfligierenden Aufforderungscharakter
der Situation oder dem Druck widerstreitender eigener Impulse zu widerstehen. Mit jeder
höheren Stufe steigt also die innere Wertschätzung des Widerstandes gegen ein Handeln,
das mit den normativen Überzeugungen nicht vereinbar ist."52 Eine Reihe von
Ergebnissen aus der moralpsychologischen Forschung belegen diesen Zusammenhang. Externe
Versuchungen liegen vor allem in den oben beschriebenen high-tost- und in Free-Rider
Situationen. Bequemlichkeit und Gewohnheiten, aber auch "irrationale"
Kaufmotive wie Kompensation und Identitätssuche durch Konsum sind dagegen mögliche
interne Versuchungen. Solche Versuchungen ergeben sich schon allein daraus, daß eine
Person aufgrund ihrer Veranlagung, persönlichen Biographie und Lebenslage ein komplexes
Einstellungs- bzw. Wertesystem besitzt, dessen Ziele miteinander konfligieren können. So
sind gemäß dem psychologischen Konzept der Kausalitätsorientierungen in jedem
Menschen drei konkurrierende Orientierungen, nämlich Autonomie-, Kontroll- und
Impersonale Orientierung, nachweisbar, wobei eine die beiden anderen dominiert und
handlungsbestimmend wird. Folgenreich ist die These Neuners, daß sich die drei
moralischen Urteilsstufen Kohlbergs mit den drei Kausalitätsorientierungen, und
damit auch mit postmateriellen und promateriellen Lebensstilen, in Zusammenhang bringen
lassen.53
Postmaterialle und promaterielle Lebensstile
Die monetären und psychischen Kosten einer
Verhaltensänderung hin zu einem "nachhaltigeren" Konsumverhalten sind also
nicht gerade gering: Information muß eingeholt und verarbeitet werden, Konsumgewohnheiten müssen in all ihren Konsequenzen überdacht, geändert und neue eingeübt
werden; zum symbolischen Konsum alternative Formen der Identitätsstiftung müssen
gesucht und entwickelt werden, kommunikative bzw. handwerkliche Fähigkeiten müssen
erlernt, für konfligierende Ziele müssen Prioritäten gesetzt werden. Unter den
herrschenden Strukturen erfordert nachhaltiges Konsumverhalten zudem häufig eine
beachtliche Distanz zu gesellschaftlichen Normen, die idealiter in einem moralischen
Urteilsniveau der postkonventionellen Ebene rückgebunden ist. In einem Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim wurde der Frage nachgegangen, wie sich die
Einstellungen solcher Konsumenten und Konsumentinnen beschreiben lassen, die überwiegend
naturschonend und sozialverantwortlich handeln und inwieweit postmaterielle Lebensstile
in unserer Gesellschaft verbreitet sind.54
Als eine postmaterielle Werthaltung eine
Einstellung, die materielle Güter zwar schätzt, aber nicht immer mehr davon haben will -
haben wir eine Werthaltung charakterisiert, die durch geringe Gütergebundenheit und
geringe Positionalität auf der einen und hohe Sozialverträglichkeit sowie hohe
Naturverträglichkeit auf der anderen Seite gekennzeichnet ist. In Abbildung 1 sind die
vier Dimensionen der postmateriellen Werthaltung kurz charakterisiert.
Abbildung 1:
Die vier Dimensionen der pro- bzw.
postmateriellen Werthaltung
Gütergebundenheit: Innere Abhängigkeit von
- Fülle (viele Güter, mehr Güter)
- Neuheit (immer das Neueste)
- Exklusivität, Stil, Niveau
Positionalität: Angewiesensein auf
- Vorrang, Aufstieg, Macht
- Statussymbole
Recht haben
Sozialverträglichkeit: Innere Bereitschaft
- anderen zu helfen
- sich sozial zu engagieren
- sich "einzumischen"
Naturverträglichkeit: Umwelt-Orientierung
beim Einkauf i.S.v. Wissen
Abbildung 2: Die Verteilung der Werthaltungen
| |
Postmateriell |
Teilsensibilisiert |
Desorientiert |
Promateriell |
| gütergebunden |
-- |
+ |
- |
+ + |
| positional |
- - |
+ |
- |
+ + |
| sozialverträglich |
+ + |
+ |
- |
-- |
| naturverträglich |
+ + |
+ |
- |
-- |
| |
ca. 20 % |
ca. 30 % |
ca. 25 % |
ca. 25 % |
| + + weit über dem Durchschnitt + etwas über dem Durchschnitt |
- etwas unter dem Durchschnitt -- weit unter dem Durchschnitt |
Eine promaterielle Werthaltung ist wenig sozial- und naturvertäglich, aber stark
gütergebunden und positional. Diese Definition haben wir für die empirische Erhebung
durch vier Indikatoren operationalisiert, die jeweils zwölf Aussagen umfassen. Die
Befragten wurden gebeten, an zugeben, wie sehr sie einer Aussage zu stimmen oder sie
ablehnen, was sich in unterschiedlichen Punktzahlen niederschlug. Aus der Gesamtpunktzahl
wurde dann auf die Stärke der Einstellung geschlossen.55 Nach der Befragung wurde mit
Hilfe einer Cluster-Analyse festgestellt, welche Gruppierungen der vier Einstellungen in
der Bevölkerung vorliegen und wie sie verteilt sind (Abbildung 2). Folgt man den obigen
Definitionen, können immerhin rund 20 % der Bevölkerung als "postmateriell"
bezeichnet werden; dagegen zeichnen sich rund 25 % durch "promaterielle"
Werthaltungen aus.
Die große Gruppe der Teilsensibilisierten und Desorientierten
An diesen beiden Clustern zeigt sich, daß man nicht
gleichzeitig gütergebunden und naturverträglich sein kann und daß sich viele Menschen
dessen auch bewußt sind. Nun existiert aber die Gruppe "Teil sensibilisiert" -
rund 30 Prozent der Bevölkerung - die annimmt, dies könne doch gelingen. Ihre
Einstellungen sind zwar nicht so stark ausgeprägt, liegen jedoch in allen vier
Dimensionen etwas über dem Durchschnitt. Wir nennen diese Gruppe die teilsensibilisierten
Wohlstandsbürger; denn sie sind auf der einen Seite verständig genug, in ihrem
Selbstbild naturverträglich und sozialverträglich zu sein, sich in gewissen Grenzen um
andere Menschen zu kümmern und Verantwortung für die Natur zu übernehmen. Aber
gleichzeitig wollen sie auch Güter - viele, exklusive und immer neue. Und gleichzeitig
möchten sie auch ihre eigene materielle und immaterielle Position verteidigen und
verbessern. Über die Motive läßt sich spekulieren: Vielleicht sehen sie keine Widersprüche, möglicherweise verdrängen sie solche auch nur. Vermutlich haben sie noch
nicht so genau über diese Frage nachgedacht oder sind an ihr nicht sehr interessiert.
Abbildung 3: Zusammenhänge mit den
Kausalitätsorientierungen
|
Autonomieorientierung |
Kontrollorientierung |
| Korrelationen mit |
r |
|
r |
|
| Gütergebundenheit |
-.27 |
|
+.44 |
|
| Positionalität |
-.23 |
|
+.54 |
|
| Sozialverträglichkeit |
+.35 |
|
-.50 |
|
| Naturverträglichkeit
|
+.34 |
|
-.35 |
|
Bevölkerungsstichprobe Alte Bundesländer 1991;
daraus Teilstichprobe von 391 Befragten mit ausgeprägt pro- bzw. postmateriellen
Werthaltungen (Cluster "Postmateriell" und "Promateriell").
Abbildung 4: Charakterisierung der
Kausalitätsorientierungen
|
Ursachen |
Merkmale |
Autonomieorientierung
"zugewandt" |
Erfahrung des Akzeptiertwerdens:
Sachbezogenes Feedback;
Information über die Situation;
kein Druck zu bestimmtem Verhalten. |
Selbstvergessenes Interesse an
der Sache oder Person;
Balance zwischen eigenen Inter
essen und denen der Umgebung;
Gelassenheit und Selbstvertrauen |
Kontrollorientierung
"aggressiv" |
Erfahrung des Kontrolliertwerdens;
außengelenkt (Belohnung,
Bestrafung); außenbewertet;
benutzt für Zwecke anderer. |
Autoritär handeln,
sich durchsetzen;
auf sozialen Aufstieg bedacht sein;
anderen die Schuld geben. |
Impersonale
Orientierung "angepaßt" |
Demotivierende Erfahrungen:
Inkonsistentes, unberechenbares,
übermächtiges Kontrolliertwerden |
Mangelhaftes Selbstvertrauen;
Probleme auf andere abschieben;
Ängstlichkeit, Hilflosigkeit. |
Die vierte Gruppe, die Desorientierten, liegt in allen vier Einstellungen etwas
unter dem Durchschnitt. Diese Befragten zeigten sich eher ohne Interesse, resignativ,
weniger gebildet und haben geringeren Anteil am materiellen Wohlstand. Auf zwei
Ergebnisse möchten wir besonders hinweisen: Erstens existieren die verschiedenen
Werthaltungen nebeneinander und zweitens sind die Postmateriellen mit 20 % zwar eine
Minderheit,' aber doch ein nennenswerter Bevölkerungsanteil, nur wenig kleiner als der
Anteil der eindeutig promateriell eingestellten Menschen. Da zwischen liegt die
Bevölkerungsgruppe, die in ihren Einstellungen nicht konsistent ist, entweder, weil ihr
die Information fehlt - dann könnte sie sich im Laufe der Zeit dem Cluster der
Postmateriellen annähern - oder weil sie gar keinen Widerspruch zwischen
Gütergebundenheit und Naturverträglichkeit sieht - dann müßte man sie eher den
Promateriellen zuordnen.
Autonomieorientierung, Kontrollorientierung, Impersonale
Orientierung
Wie lassen sich diese empirischen Ergebnisse
erklären? Einen Hinweis gibt die psychologische Theorie der Kausalitätsorientierungen.56 Kausalitätsorientierung bezeichnet die Einstellung zum Grund unseres
eigenen Handelns. Man unterscheidet drei solcher Einstellungen: Erstens die Autonomieorientierung,
also die Grundeinstellung, daß ich selbst mein eigenes Handeln verursache. Diese
Orientierung steht synonym für das intentionale und selbst bestimmte Handeln des
Menschen. Das, was man tut, geschieht aus eigener Erfahrung, Überlegung und freier
Entscheidung und folgt in diesem Sinne eigenen Gesetzen, die man sich selbst in freiem
Willen gegeben hat. Zweitens die Kontrollorientierung, die davon ausgeht, daß das
eigene Verhalten von äußeren Kräften - etwa äußere Gewalten, Einflüsse oder
Handlungszwänge - gelenkt wird, die stärker sind als man selbst, an die man sich aber
"anhängen" und sie ausnützen kann. Die Kontrollorientierung ist zwar ebenfalls
intentional, aber fremdbestimmt. Und drittens die Impersonale Orientierung - die
amotivierte, hilflose und nichtintentionale Einstellung, daß man von unberechenbaren
äußeren Kräften gesteuert werde und sein Geschick überhaupt nicht beeinflussen
könne.
Dabei gilt es zu beachten, daß diese
Grundeinstellungen alle nebeneinander existieren, wobei eine die anderen dominiert. Es
gibt also keine rein Autonomieorientierten oder ausschließlich Kontrollorientierten;
entscheidend ist das Verhältnis, in welchem diese Einstellungen auf treten. Man sieht in
Abbildung 3, daß Gütergebundenheit positiv mit der Kontrollorientierung und negativ
mit der Autonomieorientierung korreliert. Das gilt in besonderem Maße für Menschen mit
ausgeprägten post- oder promateriellen Werthaltungen; bei den übrigen ist der Zusammenhang
ebenfalls vorhanden, wenn gleich mit einer etwas schwächeren Aus prägung.57
Je gütergebundener Menschen sind, desto stärker
sind sie auch kontrollorientiert und desto weniger sind sie autonomieorientiert; je
autonomieorientierter Menschen sind, desto stärker sind sie auch sozialverträglich und
naturverträglich eingestellt. Je kontrollorientierter Menschen sind, desto weniger sozialverträglich und naturverträglich sind sie (Abbildung 3). Gelernt werden die
Kausalitätsorientierungen unter dem Einfluß bestimmter Sozialisationserfahrungen (Abbildung
4).
Kontrollorientierung entsteht erstens durch die wiederholte und
nachhaltige Erfahrung, bevormundet, also mit Belohnung und Bestrafung reguliert worden
zu sein. Man handelt dann nicht aus eigenem Antrieb, sondern um belohnt zu werden oder um
Strafe zu vermeiden. Zweitens entsteht sie durch die Erfahrung, daß man bewertet wird.
Nicht erst in der Schule, schon im Elternhaus wird man ständig bewertet, also
kontrolliert und von außen gelenkt. Drittens durch die Erfahrung, für fremde Zwecke
benutzt zu werden, mit denen man sich nicht identifizieren kann, beispielsweise im Beruf.
Man fühlt sich dann instrumentalisiert für Zwecke, zu denen man tief in seinem Inneren
nicht stehen kann. Diese drei Einflüsse - Bevormundung, Bewertung und Ausgenutztwerden
- sind weit verbreitete Grundsätze unseres Alltags und prägen viele Menschen, insbesondere in den schwächeren Bevölkerungsschichten. Kontrollorientierung wird in unserer
Gesellschaft systematisch erzeugt. Autonomieorientierung dagegen entsteht, wenn
Menschen in ihrer Kindheit bedingungslos akzeptiert werden, nicht weil sie artig sind und
etwas leisten, sondern einfach, weil sie da und gewünscht sind. Sie entsteht unter
Sozialisationsbedingungen, die Individuen nachhaltig das Fällen eigener Entscheidungen,
das Erleben eigener Gefühle sowie das Entwickeln eigener Fähigkeiten ermöglichen.58
Wenn sie sich das Bewußtsein des unbedingten Erwünschtseins auch im Erwachsenenalter
erhalten, dann können sie autonomie orientiert und intrinsisch motiviert handeln. Die
Motivation für eine Handlung liegt dann in der Freude an der Sache, im Interesse und
nicht in der Erwartung einer Belohnung oder der Angst vor Bestrafung (Abbildung 5).
Die Verteilung der Kausalitätsorientierungen in
der Bevölkerung läßt sich dadurch ermitteln, daß man z. B. die Gruppe derjenigen
ermittelt, die überdurchschnittlich autonomieorientiert und unterdurchschnittlich
impersonal und kontrollorientiert sind (Cluster AUT).59 Man erhält dann für die
westdeutsche Bevölkerung das Verteilungsbild, das Abbildung 6 zeigt. Überwiegend
autonomieorientiert (Cluster AUT) sind rund 27 Prozent. Die über wiegend
Kontrollorientierten (Cluster KON) machen ebenfalls rund 27 Prozent aus. Überwiegend
impersonal orientiert (Cluster IMP) sind 34 Prozent, eine bemerkenswert große
Anzahl.60
Betrachtet man die Abbildungen 3 bis 6 im
Zusammenhang, so läßt sich etwas dar über sagen, wie die Gesellschaft den kulturellen
Zwang - den Selbstzwang62 - zum Konsumieren erzeugt und wie sie die Ein sicht verhindert, daß unersättliches Konsumieren sich naturzerstörend auswirken muß. Die Einsicht in
diesen Zusammen hang wird durch Kontrollorientierung erschwert, denn Menschen, deren
Persönlichkeit durch ständiges Bevormundet-, Be wertet- und Benutztwerden geprägt
wurde, sind in ihrem Selbstwert davon ab hängig, daß sie nun auch selbst Kontrolle über
Menschen und Sachen ausüben, also extrinsisch motiviert handeln. Sie neigen zu
gütergebundenem Verhalten, weil die Verfügung über Güter Macht verleiht, und zeigen
wenig Bereitschaft zu naturverträglichem Verhalten, weil das einen - uneigennützigen,
also intrinsisch motivierten - Verzicht auf Kontrolle bedeuten würde. Hier kann ein
Ansatzpunkt für die Beantwortung der Frage liegen, in welche Richtung die Einstellungen
der "teilsensibilisierten Wohlstandsbürger" sich wohl entwickeln werden. Daß
sie den Zusammen hang zwischen dem Lebensstil der Unersättlichkeit und der
Naturzerstörung bis her nicht erkannt oder jedenfalls nicht verinnerlicht haben, hängt
damit zusammen, daß bei ihnen die Kontrollorientierung ausgeprägter ist als bei den
Personen mit konsistent postmateriellen Werthaltungen (Abbildung 7). Aber sie ist nicht so
stark wie bei den Promateriellen, deren Motiv Struktur durch überdurchschnittlich hohe
heteronome Orientierungen und unter durchschnittliche Autonomieorientierung gekennzeichnet
ist. Die Teilsensibilisierten unterscheiden sich von den Postmateriellen zwar durch eine
höhere Kontrollorientierung, doch ist ihre Autonomieorientierung fast ebenso hoch wie
bei jenen.
Das wahre Ausmaß der Wohlstands kosten
öffentlich diskutieren
In dieser Konstellation kann die Autonomieorientierung ein Gegengewicht gegen die Kontrollorientierung bilden. Es kommt darauf
an, daß sie angesprochen und aktiviert wird. Das könnte durch ein Mehr an Betroffenheit
bewirkt werden, und diese könnte durch das Erkennen der wahren Kosten der steigenden
Güterproduktion ausgelöst wer den.
Denn für die weitere Steigerung des Sozialprodukts
wird in den Industrieländern derzeit so viel an Defensivausgaben (Aus gaben für die
Beseitigung der Folgen von Schadstoffemissionen, Verkehrsunfällen usw.) und an
nichtkompensierten Ein außen an Lebensqualität (Verkehrsdichte, Allergien usw.) sowie
Zukunftschancen (Bodenerosion, Verschwendung nicht erneuerbarer Ressourcen) in Kauf genommen, daß das, was vom Sozialprodukt als Nettowohlstand übrigbliebe, wenn man alle diese
Wohlstandskosten abziehen würde, nur noch die Hälfte ausmacht. Die andere Hälfte geht,
richtig gerechnet, für die Kosten des Wohlstands drauf. Und seit den siebziger Jahren
nehmen nur noch die Wohlstandskosten zu, wenn das Sozialprodukt steigt.63
Bisher wird die Öffentlichkeit über das wahre
Ausmaß der Wohlstandskosten getäuscht. Der derzeit wichtigste Beitrag zum nachhaltigen
Wirtschaften würde darin bestehen, daß schonungslos offen gelegt und öffentlich
diskutiert würde, in welchem Umfang das Sozialprodukt durch die natur- und
gesundheitsschädliche Art seiner Produktion entwertet wird. Nichts könnte schneller die
Illusion beseitigen, daß die Abhängigkeit von immer mehr materiellen Gütern vereinbar
sei mit der Schonung der Natur.
Abbildung 5:
Intrinsische und extrinsische Motivation
"Intrinsisch motiviert":
Man lernt (arbeitet, malt, trainiert usw.)
Man lernt (arbeitet, malt, trainiert usw.)
Abbildung 6: Zur Verteilung der Kausalitätsorientierungen
| |
Cluster
AUT |
Cluster
KON |
Cluster
IMP |
Gesamt-
Stichprobe |
| |
| |
X |
X |
X |
X |
| Mittelwerte der Indikatoren für |
|
| Autonomieorientierung |
58 |
53 |
50 |
53 |
| Kontrollorientierung |
36 |
51 |
46 |
45 |
| Impersonale Orientierung |
26 |
33 |
44 |
35 |
| Prozent der Bevölkerung61 |
27 % |
27 % |
34 % |
100 % |
Bevölkerungsstichprobe BRD West 1991. Clusteranalyse, Vorgaben: 3 Cluster; 3
Kausalitätsorientierungen Auswertbar für die 3-Cluster-Lösung: 886 Fragebögen.
Hinweis: Das Cluster AUT kann nicht schon deshalb als
"überwiegend autonomieorientiert" gelten, weil der Mittelwert des
Indikators der Autonomieorientierung (58) über dem Bevölkerungsdurchschnitt (53)
liegt; ebenso wichtig ist, daß die beiden anderen Kausalitätsorientierungen
deutlich unterdurchschnittliche Mittelwerte aufweisen.
Abbildung 7:
Zur Motivstruktur der pro-/postmateriellen
Werthaltungen
| |
Post- materiel |
Teilsen- sibilisiert |
Des- orientiert |
Pro-materiell |
Gesamt-Stichprobe |
| |
| |
X |
X |
X |
X |
X |
| Mittelwerte der Indikatoren für |
|
|
|
|
|
| Autonomieorientierung |
57 |
56 |
51 |
50 |
53 |
| Kontrollorientierung |
39 |
45 |
48 |
44 |
45 |
| Impersonale Orientierung |
32 |
33 |
39 |
37 |
35 |
Anmerkungen
- Schon 1974 wurden in der "Erklärung von Cocoyoc" die Zielrichtungen der Nord-Süd-Kritik genannt, nämlich: die Ausbeutung
der Dritten Welt und der Überkonsum der Ersten Welt mit seinen naturzerstörenden Folgen
(Rolf Kreibich, 1996: Nachhaltige Entwicklung. Wein heim).
- So beispielsweise: Ökumenische Initiative, Eine
Welt, Info 1, September 1978, S. 3: "In den Industrieländern müssen
Produktionsweisen und Konsum so verändert werden, daß die Rohstoff- und Energievorräte
geschont und die Güter der Erde zugunsten der Benachteiligten umverteilt werden. Darum
gehören persönliche Umorientierung und Verzicht, verändertes Verbraucherverhalten und
öffentliche Aktionen zusammen." Vgl. auch Erhard Epper auf dem IG-Metall-Kongress
1972 in Ober hausen über die "Qualität des Lebens" und in einem gleichnamigen
Buch. Und: ders. (1971): Wenig Zeit für die Dritte Welt. Stuttgart.
- Vgl. Irmgard Schultz & Ines Weller (1996):
Nachhaltige Konsummuster und postmaterielle Lebensstile. Eine Vorstudie im Auftrag des
Umweltbundesamtes. Frankfurt: ISOE, S. 32.
- Dennis L. Meadows & Donella H. Meadows (1972):
Die Grenzen des Wachstums - Ein Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit.
Stuttgart.
- So veranstaltete die Berliner Stiftung Verbraucherinstitut zwei Workshops zum Thema "Nachhaltiger Konsum"
(dokumentiert in: 1996: Nachhaltiger Konsum; und 1995: Nachhaltiger Konsum - aber wie?).
Vgl. ebd. Gerhard Sherhom (1995): Nachhaltiger Konsum - Probleme und Chancen, S. 93-103.
- Vgl. Thomas Jahn (1997): Sustainability of what?
Fünf Jahre nach Rio - Worin der Beitrag der Sozialwissenschaften zur
Nachhaltigkeitsdebatte bestehen könnte. Politische Ökologie, 50, S. 71-76.
- Vgl. Agenda 21 (1992): Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung im Juni 1992 in Rio de Janeiro, Dokumente. Hrsg. vom
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Bonn.
- Die Deutschen gehören zu den 20% der Weltbevölkerung, die rund
80% der weltweit umgesetzten Ressourcen verbraucht. Vor diesem Hintergrund sprechen die
Klimarahmenkonvention von Rio und das Berliner Mandat von einer "gemeinsamen, aber
differenzierten" Verantwortung der Ländergemeinschaft. Zu den Ergebnissen des
Klimagipfels von Kioto vgl. Sascha Müller-Kraenner (1997): Klimakonferenz von Kioto. Was
nun kommen muß. Jahrbuch Ökologie 1998, München.
- Umweltbundesamt (1997): Nachhaltiges Deutschland. Berlin, S. 2Z3.
- Jens Martens (1997): Chance vertan. In: Forum
Umwelt & Entwicklung, Rundbrief 2/97, S. 3-6. Bonn: Forum Umwelt & Entwicklung.
- Wolfgang Zapf et al. (1987): Individualisierung
und Sicherheit. Untersuchungen zur Lebensqualität in der Bundesrepublik Deutschland.
München. Die Bereiche des Lebensstils nach Schultz & Weller (1996): A.a.O., S. 4Z.
- Nach Schutz & Weller (1996): A.a.O., S. 40-41.
- Wolfgang Glatzer und Wolfgang Zapf (1984): Lebensqualität in der
Bundesrepublik In: Dies. (Hrsg.). Lebensqualität in der Bundesrepublik. Objektive
Lebensbedingungen und subjektives Wohlbefinden, S. 391-401. Frankfurt a.M.
- Wolfgang Zapf et al. (1987): A.a.O., S. 15.
- Fritz Reusswig (1994): Lebensstile und Ökologie.
In: J. S. Gandschat & J. Blasius (Hrsg.). Lebensstile in Städten, S. 91-103. Opladen.
- Vgl. dazu Katrin Gillwald (1995): Ökologisierung
von Lebensstilen. WZB-Paper FS III 95-408. Berlin.
- Umweltbundesamt (1997): Nachhaltiges Deutschland.
Berlin, S. 221.
- Friedrich Schmidt-Bleek (1994): Wieviel Umwelt
braucht der Mensch? mips - das Maß für Ökologisches Wirtschaften. Basel.
- Eine Studie des Wuppertal Instituts für Klima,
Umwelt, Energie hat in Anlehnung an eine niederländische Studie erarbeitet, wieviel
Rohstoffe und Energie die Deutschen verbrauchen und wie viel Abfälle und Schadstoffe sie
produzieren dürfen, um den Anforderungen einer "zukunftsfähigen" Entwicklung
zu genügen (BUND & Misereor, Hrsg., 1996: Zukunftsfähiges Deutschland. Basel, S.
53-81).
- Dokumentiert sind solche Pionierprojekte in: Doris Sibum, Marcel Hupecke, Albrecht Hoffmann & Lothar Schneider (1996): Nachhaltige
Konsummuster und post materielle Lebensstile. Schwerpunkt 1: Bestandsaufnahme von
Initiativen und Aktionen. Eine Vorstudie im Auf trag des UBA.
Gelsenkirchen/Wuppertal/Paderborn, unveröff. Manuskript. Forum Umwelt & Entwicklung
(1995): Die Lebensstil-Diskussion in Deutschland. Bonn. Umweltberatung Nordost e.V.
(Hrsg.) (1997): Nachhaltige Aktionen. Sonderheft Politische Ökologie. München.
- Zur Zivilgesellschaft vgl. Willy Bierter (1995):
Wege zum ökologischen Wohlstand. Basel.
- Enquete-Kommission "Schutz des Menschen und
der Umwelt" des Deutschen Bundestages (Hrsg.) (1994): Die Industriegesellschaft
gestalten, Bonn, S. 32. Zur besonderen Rolle der "Ökologie der Zeit" vgl.
Martin Held & Karlheinz Geißler (Hrsg.) (1995): Von Rhythmen und Eigenzeiten.
Stuttgart.
- Vgl. Klaus Michael Meyer-Abich (1997): Praktische
Naturphilosophie. München.
- Eine "Anleitung" zu einer solchen
Reflexion ist nachzulesen bei Ortwin Renn (1997): Verbraucherverhalten, Marktordnung und
Gemeinwesen: Anleitungen zu einem nachhaltigen Konsum. Vortrag auf der Tagung
"Nachhaltiger Konsum", Evangelische Akademie Tutzing 1997 (als Manuskript
vervielf.).
- Kerstin Deller und Joachim Spangenberg schlagen
vor diesem Hintergrund einen "Tetraeder der Zukunftsfähigkeit" vor, der von
den vier Dimensionen ökologische, soziale, ökonomische und institutionelle Zukunftsfähigkeit aufgespannt wird (Wuppertal Institut, UM 838). Da die Kategorie
"Institutionen" einen anderen Charakter als die traditionellen Kategorien
Ökonomie, Ökologie und Soziales aufweise, wählen die Autoren den Tetraeder und kein
Quadrat (vgl. Forum Umwelt & Entwicklung, 1997: Wie zukunftsfähig ist Deutschland?
Bonn, S. 10-11).
- Das Umweltbundesamt hat für den Sommer 1998 die
Publikation einer von ihm in Auftrag gegebenen Studie angekündigt, die diese Frage
endgültig klären soll.
- Als Marktgüter gelten alle konsumrelevanten Sachgüter, Dienstleistungen und marktgängigen Informationen. Nichtmarktgüter sind
diejenigen Befriedigungen, die das erstrebte Ergebnis der Konsumaktivität bilden wie die
Erhaltung oder Vertiefung menschlicher Beziehungen, intensives oder unterhaltendes
Erleben, selbstbestimmte Aktivität und deren Ergebnisse, die in (nichtmarktvermittelten)
Sachgütern, Dienstleistungen, Informationen, Humankapital bestehen können (vgl. Gerhard
Scherhorn, Lucia Reisch & Sabine Schrödl, 1997: Wege zu nachhaltigen Konsummustern
Marburg, 5. 12).
- Zum Beispiel in den 26 Filialen eines
bundesdeutschen Öko-Waschsalons (Martina Arnold, 1997: Das hat sich gewaschen, ÖKO-TEST
12/97, S. 62-83).
- Vgl. Gerhard Bodenstein, Achim Spiller &
Helmut Elbers (1997): Strategische Konsumentscheidungen: Langfristige Weichenstellungen
für das Umwelthandeln. Diskussionsbeitrag der Universität Duisburg Nr. 234.
- Zum nachhaltigen Umgang mit Böden vgl. Klaus Kämmerer, Manuel Schneider und Martin Held (Hrsg.) (1997): Bodenlos. Politische Ökologie,
Sonderheft 10, München. Zum Flächenverbrauch vgl. ebd.: Siegfried Losch (1997): Der
große Hunger, S. 27-32.
- Die dritte diskutierte Strategie, die Konsistenz,
bezieht sich auf einer allgemeineren Ebene auf Stoff- und Energieströme im
ökosystemaren Zusammenhang und ist daher keine individuelle Handlungsstrategie. Zu ihrer
unbestrittenen Bedeutung vgl. Joseph Huber (1995): Nachhaltige Entwicklung, Berlin; ders.
(1997): Die Konsistenz-Strategie. In: Heinrich-Böll-Stiftung & BUND e.V. (Hrsg.).
Wege aus der Wachstumsfalle, Politische Ökologie, Sonderheft 11, S. 26-29.
- Ernst U. von Weizsäcker, Amory Lovins & L.
Hunter Lovins (1995): Faktor Vier - Doppelter Wohlstand - halbierter Naturverbrauch.
München; Faktor 10 Club (1995): Carnoules Deklarationen. Wuppertal: Wuppertal Institut
für Klima, Umwelt, Energie.
- Friedrich Schmidt-Bleek, Thomas Merten &
Ursula Tischner (Hrsg.) (1997): Ökointelligentes Produzieren und Konsumieren. Basel.
- Vgl. Lucia Reisch (1997): Abschied vom "immer
mehr". Nachhaltiger Konsum - ein Königsweg aus der Wachstumsfalle? In:
Heinrich-Böll-Stiftung & BUND e.V. (Hrsg.). Wege aus der Wachstumsfalle, Politische
Ökologie, Sonderheft 11, S. 38-41.
- Vgl. Wolfgang Zapf (1989): Ober soziale
Innovationen. Soziale Welt, 40 (1/2), 170-183.
- Forum Umwelt & Entwicklung (1997): Lokale
Agenda 21. Ein Leitfaden. Bonn. 4. Aufl. Vgl. auch: Ökom (Hrsg.) (1997): Geduldsspiel
Nachhaltigkeit: Agenda 21 als Leit faden für das nächste Jahrhundert. Politische
Ökologie, Juli/August 97.
- Vor zehn Jahren initiierte die gemeinnützige Forschungsgesellschaft anstiftung das Modellprojekt "Haus der Eigenarbeit" in
München-Haidhausen. Heute ist das HEi ein selbständiges Projekt, dessen
Freizeitwerkstätten, Kurse und soziokulturellen Angebote viele Nutzer anzieht.
Initiativen für weitere Häuser gibt es in Dort mund, Wolfen und Tübingen.
- Gerd Mutz, Irene Kühnlein, Martina Burda-Viering,
Boris Holzer u.a. (1997): Eigenarbeit hat einen Ort. Öffentliche Eigenarbeit im Hause
der Eigenarbeit. München.
- Peter Preisendörfer (1996): Umweltbewußtsein in
Deutschland. Bonn: BMU.
- Zum Beispiel für die Abfalltrennung: r = .49 bei Rosemarie Mielke (1985): Eine Untersuchung zum Umweltschutz-Verhalten
(Wegwerf-Verhalten). Zeitschrift für Sozialpsychologie, 16, 196-205.
- Vgl. Axel Franzen (1997): Umweltbewußtsein und
Verkehrsverhalten. Basel, S. 143.
- Konrad Götz, Thomas Jahn & Irmgard Schultz
(1997): Mobilitätsstile in Freiburg und Schwerin - Ergebnisse aus der
sozialwissenschaftlichen Untersuchung zu "Mobilitätsleitbilder und
Verkehrsverhalten". Stadtwege 3/97, S. 10-19.
- Vgl. Gillwald (1996): A.a.O.
- Ausführlich zu den psychologischen Barrieren des ökologisch bewußten Verhaltens: Sigrun Preuss (1991): Umweltkatastrophe Mensch.
Heidelberg.
- Gerhard Scherhorn (1997): Das Ganze der Güter.
In: K. M. Meyer-Abich (Hrsg.). Vom Baum der Erkenntnis zum Baum des Lebens, S. 162-251.
München.
- Vgl. dazu auch den Beitrag von de Haan und
Harenberg in diesem Heft.
- Beispielsweise: Gerhard Boeddinghaus (1995): Funktionstrennung - Funktionsmischung. Informationen zur Raumentwicklung, Heft 6/7, 405-407;
Topp (1997): Die Stadt der kurzen Wege - der attraktive Standort. In: H. Schaufler
(Hrsg.). Umwelt und Verkehr, S. 80-88. München.
- Vgl. dazu die Metaanalyse von Thomas Eckes &
Bernd Six (1994): Fakten und Fiktionen in der Einstellungs-Verhaltens-Forschung: Eine
Meta-Analyse. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 25 (4), 253-271.
- Vgl. den aktuellen Überblick über die Diskussion
der Verhaltenslücke und der Rolle von Drittvariablen von Michael Neuner (1998):
Personale und infrastrukturelle Bedingungen verantwortlichen Konsumverhaltens. Dissertation am Lehrstuhl für Konsumtheorie und Verbraucherpolitik, Universität Hohenheim (in
Vorbereitung). Zur Kontrollorientierung vgl. Gerhard Scherhorn (1994):
Konsumentenverhalten und Wertewandel. In: M. Henze & G. Kaiser (Hrsg.).
Ökologie-Dialog, S. 196-221. Düsseldorf.
- 50Vgl. Lothar Schneider et al. (1994): Zur Ethik des
Handelns in Privatwelt und Erwerbswelt. 2 Bde. Hohengehren; sowie Lutz Eckensberger et
al. (1998): Typen moralischer Orientierung im Umweltbewußtsein. Reihe "Arbeiten
der Fachrichtung Psychogie, Universität des Saarlandes", Nr. 183.
- Vgl. Neuner (1998): A.a.O.
- Neuner (1998): A.a.O.
- Vgl. Neuner (1998): A.a.O.
- Vgl. Gerhard Scherhorn (1995): Sind die Bedürfnisse des Menschen unersättlich? Über
die kulturelle Bedingtheit pro- und postmaterieller Werthaltungen. Vortrag auf der
AG4-Tagung des Öko-Instituts e.V., 16.-18.6. 1995.
- Ein volllständiger Bericht über Entwicklung und Wort laut der
Indikatoren in Gerhard Scherhorn et al. (1990): Konzepte und Indikatoren der Untersuchung
über pro materielle und postmaterielle Lebensstile. Stuttgart: Universität Hohenheim,
Institut für Haushalts- und Konsumökonomik, Arbeitspapier 56; und auch: Ariane Gläser
et al. (1993): Indikatoren der Bevölkerungsumfrage 1991. Stuttgart: Universität
Hohenheim, Institut für Haushalts- und Konsumökonomik, Arbeitspapier 62.
- Edward Deci & Richard Ryan (1985): Intrinsic
motivation and selfdetermination in human behavior. New York.
- Ein vollständiger Zusammenhang zwischen zwei Variablen ist gekennzeichnet durch die Korrelation + 1, ein negativer Zusammenhang durch
-1; interessant sind die Werte dazwischen. Eine Korrelation von 0 bedeutet, daß keinerlei
Zusammenhang besteht.
- Gerhard Scherhorn, Lucia A. Reisch & Gerhard
Raab (1996): Kaufsucht. Bericht über eine empirische Untersuchung. Arbeitspapier 50.
Stuttgart: Lehrstuhl für Konsumtheorie und Verbraucherpolitik der Universität Hohenheim.
- Die Kausalitätsorientierungen werden mit einem
Instrument erhoben, das die amerikanischen Psychologen Deci und Ryan (1985, a.a.0.)
entwickelt haben. Den Be fragten werden bestimmte Situationen vorgestellt, zu jeder
Situation gibt es drei verschiedene Reaktionen. Zu jeder Reaktion sollen sie auf einer
Skala angeben, wie wahrscheinlich es ist, daß sie sich in dieser Situation so entscheiden
würden. Nach diesem Muster werden den Befragten zwölf verschiedene Situationen mit
jeweils drei Reaktionen vorgelegt, und sie geben für jede Reaktion an, wie
wahrscheinlich es ist, daß sie sich so verhalten würden.
- Natürlich werden die Anteile kleiner, wenn man
die Bedingungen schärfer faßt. Hier geht es nur um einen groben Anhaltspunkt.
- Die Gesamtzahlen der drei Cluster addieren nicht
auf n=1001, weil manche Befragte nicht bei jeder Reaktion ihr Kreuz gemacht haben und
deshalb nicht eingestuft werden konnten. Wenn man die 12 Prozent, die an 100% fehlen, im
gleichen Verhältnis aufteilt, erhält man eine Hochrechnung mit einer Verteilung von 30,
30 und 40 Prozent.
- Norbert Elias (1997): Über den Prozeß der
Zivilisation. 20. Aufl., Frankfurt a.M.
- Gerhard Scherhorn et al. (1997): Wohlstandskosten
und verantwortliches Handeln. Arbeitspapier 68. Stuttgart: Lehrstuhl für Konsumtheorie
und Verbraucherpolitik der Universität Hohenheim. Hans Diefenbacher (1995): Der "Index
of Sustainable Economic Welfare". Eine Fallstudie für die Bundesrepublik
Deutschland 1950-1992. Heidelberg: Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft. Texte und Materialien Reihe B Nr. 24.

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