Zeitschrift

Großstädte




Heft 2/97

Hrsg.: LpB

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Inhaltsverzeichnis

 


Stanislaw S. Goworuchin

Moskau und die Mafia.
Die große kriminelle Revolution.
Brandenburgisches Verlagshaus GmbH Berlin, 1996 208 S., DM 24,80


Dieses Buch hat wie eine Bombe eingeschlagen und wurde unerwartet zum Bestseller. Es widerspiegelt die Zustände des Landes und das bittere Leben der Menschen. Der Verfasser liefert eine traurige Bestandsaufnahme russischer Verhältnisse nach Glasnost und Perestroika. Er kennt Rußland, hat die Entwicklung in den verschiedensten Regionen beobachtet und seine Ergebnisse zu einem deprimierenden Zeitgemälde verarbeitet. Reichtum und Armut, Diebstahl und Mord, Korruption und Lüge treiben das Land in den Abgrund. In drastischen Schilderungen wird deutlich, wie viele verpaßte Chancen des Neuanfangs vertan wurden. Voller Ernst stellt Goworuchin die Frage, ob weitere demokratische Veränderungen sein Land retten können. Die größte Gefahr sieht aber der Verfasser - der mehrere Filme über dieses Thema drehte - in dem kriminellen Terror der von vielen Mächtigen gedeckt wird. Ein Kapitel betitelt der Verfasser: Das Land der Diebe und Bettler, wo "Schmiergelder fließen wie noch nie." An den derzeitigen Politikern sieht er nur "Dummheit, Überheblichkeit und Inkompetenz." Er vergleicht die heutige Zeit in Rußland mit

"den verfluchten zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren" und glaubt an keine Demokratisierung in seiner Heimat. Der belesene und hochgebildete Autor, Patriot und Demokrat, ist, was die Zukunft Rußlands betrifft, ein Pessimist, der einen Staat beschreibt, der mit den Problemen der kriminellen Banden nicht fertig wird. "Unglückliches, hilfloses Land!", in einer "neuen wölfischen Welt" mit Moskau als der "Hauptstadt der kriminellen Welt."


(Siegfried Röder)